Neujahrsempfang im neuen „Raum für ALLE“: Starkes Signal für mehr Frauen in der Politik

Theresa Eberlein, frauen- und vielfaltspolitische Sprecherin der Grünen in Bayern, sprach von einer „dramatischen Unterrepräsentation von Frauen in Bayerns Räten“. Bilder: Bündnis 90/Die Grünen

Der Neujahrsempfang der Weidener Grünen stand ganz im Zeichen eines zentralen Anliegens: mehr Frauen in politische Verantwortung zu bringen. In ihrem neuen Fraktionsbüro „Raum für ALLE“ empfingen die Grünen am Samstagnachmittag zahlreiche Gäste. Hauptrednerin war die Landtagsabgeordnete Laura Weber, die als Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen für die Wahl am 8. März antritt – ein Datum mit besonderer Symbolkraft, das mit dem Internationalen Frauentag zusammenfällt.

Dramatische Unterrepräsentation von Frauen

Theresa Eberlein, frauen- und vielfaltspolitische Sprecherin der bayerischen Grünen, machte in ihrer Rede das Ausmaß der politischen Geschlechterungleichheit deutlich. Mit eindringlichen Zahlen zeigte sie auf, wie weit Bayern von einer gleichberechtigten Vertretung entfernt ist: „In unseren kommunalen Räten sitzen aktuell nicht einmal 30 Prozent Frauen. In den kommunalen Spitzenämtern sind es gerade einmal rund 10 Prozent. In nur 7 von 71 bayerischen Landkreisen steht eine Frau an der Spitze, das sind acht Prozent. Und nur in etwa 12 Prozent der bayerischen kreisfreien Städte haben wir eine Oberbürgermeisterin.“

Besonders dramatisch sieht es in manchen Regionen aus. Eberlein verwies auf Gemeinden in Niederbayern, in denen keine einzige Frau im Rat vertreten ist, sowie auf Kommunen in der Oberpfalz, in denen gerade einmal eine Frau im Rat sitzt. „Das ist meilenweit entfernt von 50 Prozent und muss sich dringend ändern!“

Weiden als Beispiel für die Schieflage

Auch in Weiden selbst spiegelt sich dieses Ungleichgewicht wider. Laura Weber nannte konkrete Zahlen aus dem Weidener Stadtrat: Von 41 Ratsmitgliedern sind nur 12 Frauen – das entspricht lediglich 29 Prozent. Ein Blick auf die Wahllisten anderer Parteien zeige, dass dieses Problem parteienübergreifend bestehe. Weber betonte, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung in Weiden ausmachen und forderte: „Das ist ein Missverhältnis, das wir ändern müssen.“

Die Oberpfalz und insbesondere die Nordoberpfalz liegen beim Frauenanteil in den Räten weit hinten. Selbst im Bayerischen Landtag beträgt der Frauenanteil lediglich 25 Prozent.

Warum Frauen in der Politik wichtig sind

Theresa Eberlein machte deutlich, warum mehr Frauen in der Politik nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der besseren Entscheidungen sind: „Denn Frauen in der Politik machen Entscheidungen besser. Sie bringen Perspektiven ein, die oft zu kurz kommen – bei sozialer Gerechtigkeit, Mobilität und beim gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer Frauen nicht an den Entscheidungstischen hat, verzichtet auf die Hälfte der Erfahrung, der Kompetenz und der Lebenswirklichkeit in unserer Gesellschaft.“

Sie konkretisierte dies an alltäglichen kommunalen Entscheidungen: „Wie lange ist die Grünphase und wie breit ist der Radweg? Komme ich mit kleinen Kindern sicher von A nach B? Funktioniert die Busverbindung verlässlich – auch abends und am Wochenende? Und: Ist die Kinderbetreuung so organisiert, dass ich arbeiten und mich vielleicht sogar noch ehrenamtlich engagieren kann?“

All diese Fragen seien kommunale Aufgaben und Entscheidungen, die den Alltag unmittelbar prägen. „Wenn Frauen im Rat sitzen, kommen diese Themen auf den Tisch – und sie werden pragmatisch und konstruktiv gelöst. Genau deshalb ist die kommunale Ebene die Herzkammer unserer Demokratie“, so Eberlein.

Der 8. März als „Wählt Frauen Tag“

Mit dem Zusammenfallen von Kommunalwahl und Internationalem Frauentag am 8. März 2026 sieht Eberlein eine besondere Chance: „Ich finde: Wir sollten ihn zum #WähltFrauenTag machen! Lassen wir nicht locker, bis 50 Prozent der Rathäuser von Frauen geführt werden und Frauen in den Räten wirklich repräsentiert sind.“

Sie appellierte abschließend: „Machen wir mit Laura Weber hier in Weiden den Anfang und sorgen wir gemeinsam dafür, dass Weiden seine erste grüne Oberbürgermeisterin bekommt!“

Frischer Wind durch neue Mitglieder

Laura Weber zeigte sich erfreut über den Zuwachs in ihrer Partei: „Wir haben viele neue Mitglieder, vor allem Frauen. Das gibt richtig Power.“ Sie betonte, dass das Ziel sei, Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und für den Stadtrat zu kandidieren.

Das Thema Geschlechtergerechtigkeit stoße nicht überall auf positive Resonanz. Dennoch sei es von entscheidender Bedeutung, sagte Weber. Auf ihrem T-Shirt war zu lesen: „Wählt Frauentag – 8. März 2026“.

Webers politische Schwerpunkte für Weiden

In ihrer Rede skizzierte Laura Weber ein umfassendes Programm für Weiden:

Bildung: Sie bezeichnete gute Bildung als das A und O und begrüßte den geplanten Realschulneubau als wichtigen Schritt.

Stadtentwicklung: Weber forderte bezahlbaren Wohnraum sowie verbesserte Bedingungen für den Rad- und Fußverkehr. Die Innenstadt sei „unser Wohnzimmer, das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und geliebt ist“. Sie schlug vor, mehr Leben in die Innenstadt zu bringen – neben Handel und Gastronomie auch durch freie Räume, Unterstützung von Initiativen, Pop-up-Stores und andere Veranstaltungen. Sogar ungewöhnliche Ideen wie Kinderspielplätze im Zentrum brachte sie ins Spiel.

Klimaschutz und Energie: Weber machte sich stark für erneuerbare Energien, mehr Grün, ein Klimaschutzkonzept und Wärmeplanung. Sie sieht dies als große Herausforderung, die Geld koste: „Wenn wir passiv bleiben wird es immer schwieriger und am Ende gehen alte Geschäfte zugrunde.“ Als Beispiel nannte sie die Stadtwerke, für die neue Geschäftsfelder in den Bereichen Strom und Wärmeversorgung erschlossen werden müssten. Bei der Wärmewende sprach sie sich für Quartierslösungen und Nahwärme als Zukunftsthemen aus.

Verkehr und Mobilität: Beim Thema Bahnhof betonte Weber: „Da gibt’s noch viel zu tun.“ Sie hoffe seit 20 Jahren auf die Elektrifizierung der Bahnstrecke. Die frühere Ampelregierung habe viel Geld in die Bahn gesteckt und Projekte angestoßen, nun herrsche wieder Stillstand.

Finanzen und Gewerbeentwicklung: Mit Blick auf das gescheiterte Gewerbegebiet West IV zeigte Weber kein Bedauern. Das Projekt sei mit 100 Euro pro Quadratmeter zu teuer gewesen und habe keinen Sinn gemacht – eine Einschätzung, die auch seitens der Wirtschaft bestätigt worden sei. Große Industrieansiedlungen seien derzeit kaum realistisch, und ob Logistikzentren ausreichend Gewerbesteuer abwerfen würden, sei fraglich. Stattdessen schlägt sie vor: „Gewerbegebiete mit Hirn und Verstand: interkommunal, Brachflächen, Sanierungsflächen.“ Sie verwies auch darauf, dass ohne finanzielle Mittel aus Land und Bund vieles nicht möglich sei. In den fetten Jahren sei zu verschwenderisch gelebt worden, ohne zu sparen. Bauten wie Thermenwelt, Eisstadion und Max-Reger-Halle machten heute allesamt Minusgeschäfte.

Frauenhaus-Leiterin spricht über Unterdrückung

Als dritte Rednerin des Nachmittags erinnerte Enikö Nagy, die Leiterin des örtlichen Frauenhauses, an die Geschichte der Frauenhäuser. Sie machte deutlich, dass die Unterdrückung von Frauenrechten Menschenleben bedrohe. Ihre Ausführungen unterstrichen die Bedeutung fortgesetzter Anstrengungen für Gleichberechtigung und den Schutz von Frauen.

„Raum für ALLE“ als Symbol

Der neue „Raum für ALLE“, der als Fraktionsbüro und als Büro der Landtagsabgeordneten dient, steht programmatisch für das Selbstverständnis der Partei: offen sein, zuhören, diskutieren. Mit einer Küche zum Kochen, einer Kinderecke und einer Couch soll der Raum ein Ort des Mitmachens und Mitgestaltens sein – und ein Freiraum für junge Menschen ohne Konsumzwang. Der Neujahrsempfang war damit nicht nur ein politisches Treffen, sondern auch eine Demonstration dessen, was „Beteiligung stärken und allen Menschen Raum geben“ bedeuten kann.

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